Wir brauchen keinen Mullah

INTERVIEW: Irshad Manji im Gespräch über den Islam (in Jungle World 02/12)

Als Irshad Manji im Dezember ihr neuestes Buch »Allah, Liberty and Love« auf einer Diskussionsveranstaltung zur Reformierung des Islam in Amsterdam vorstellte, stürmte eine islamistische Gruppe den Raum und bedrohte Manji und andere Anwesende mit dem Tod. Die in Uganda und Kanada aufgewachsene Autorin und Journalistin ließ sich jedoch nicht vertreiben. Als muslimische Feministin kämpft sie nicht nur in ihren Publikationen gegen den Islamismus und für eine Reform des Islam. Jungle World sprach mit ihr über Gott und die islamische Welt.

Interview: Wahied Wahdat-Hagh

Alia Mahdy – Nacktfoto

Im November 2011 stellte die 20jährige ägyptische Revolutionärin Alia Mahdy ein Nacktfoto von sich auf ihren Blog. Sie provozierte damit einen gesellschaftlichen Aufschrei. Nicht nur Islamisten und Islamistinnen beschimpften sie als »Teufel« und bedrohten sie mit dem Tod, auch linke Aktivisten distanzierten sich von ihr.

Maya Mikdashi analysiert ihre Pose auf der Website jadaliyya „Waiting for Alia“ so: »Sie verkauft nichts und versucht uns nicht zu erregen (…). Ihre Nacktheit hat nichts mit Sex zu tun, sondern versucht, eine Debatte über Geschlechtspolitik zu entfachen, und über die ungleichen Arten, wie sie auf den Feldern von Gender, Kapital und Kontrolle geführt wird. Sie starrt zurück und fordert uns heraus, sie anzusehen und uns nicht wegzudrehen.« Alia Mahdy Nacktfoto

Aufstand der Frauen in der arabischen Welt

Im Oktober 2011 riefen vier Frauen aus Libanon und Ägypten die Internet-Kampagne »Der Aufstand der Frauen in der arabischen Welt« ins Leben. Sie forderten ihre Mitglieder auf, auf ein Papier zu schreiben, warum sie für den Aufstand der Frauen sind, und sich selbst mit diesem Schild zu fotografieren. Die Fotos stellten sie ins Netz.
Damit kopierten sie eine der erfolgreichsten Protestformen der ägyptischen Website »Wir alle sind Khaled Said«. Wael Ghonim hatte als Administrator dieser Seite im Herbst 2010 die Mitglieder aufgerufen, still zu protestieren, sich dabei zu fotografieren und die Bilder zu schicken.

Die Libanesin Diala Haidar, sieht als wichtigen Grund für den Erfolg der Kampagne auch den mutigeren Umgang mit gesellschaftlichen Tabus. »Wir stellten all die in Stein gemeißelten sozialen und religiösen Doktrinen in Frage. Das erhöhte die Zahl unserer Unterstützer und Unterstützerinnen, weil die Leute sich danach sehnen, diese verbotenen Debatten offen zu führen«, sagte sie in einem Interview mit Open Democracy.

Die Seite ist explizit und drastisch. Sie zeigt Fotos von grauenvollen Misshandlungen, Säureopfern, gesteinigten Frauen und vergewaltigten Leichen. Doch das stieß bisher kaum auf Kritik. Einen Sturm der Entrüstung löste vielmehr das Foto der Syrerin Dana Bakdounis aus, die im ärmellosen T-Shirt mit kurzem Haar ein Schild hält, auf dem steht: »Ich bin für den Aufstand der Frauen in der arabischen Welt, weil mir 20 Jahre lang nicht erlaubt war, den Wind in meinem Haar und auf meinem Körper zu spüren.« Darüber hielt sie ihren Pass, auf dem ein Foto sie mit schwarzem Kopftuch zeigte. Wegen der vielen Beschwerden über dieses Foto nahm Facebook es von der Seite und sperrte den Administratorinnen zeitweilig die Zugriffsrechte.

Marx als Messias

Wolf-dieter Vogel: Der Papst und die Befreiungstheologie (in Jungle World 36/11)

Joseph Ratzinger war immer ein Gegner progressiver Tendenzen innerhalb der katholischen Kirche, so auch der Befreiungstheologie in Lateinamerika. Sie be­einflusste viele soziale und revolutionäre Bewegungen, hat jedoch inzwischen an ­Radikalität verloren.

Nie wieder Reconquista

Alexandre Froidevaux: Das Verhältnis von Staat und Kirche in Spanien (in Jungle World 36/11)

Im Nationalkatholizismus der Franco-Diktatur arbeiteten Staat und Kirche zusammen. Das Spektakel des Weltjugendtags und der pompöse Besuch von Papst Benedikt XVI. im August in Madrid täuschen darüber hinweg, dass die katholische Kirche in Spanien gesellschaftlich inzwischen stark in die Defensive geraten ist.

Der Papst besucht Deutschland

Der eilige Vater

In den sechs Jahren seiner Amtszeit hat Benedikt XVI. bewiesen, dass er wirklich ein deutscher Papst und noch reaktio­närer als sein Vorgänger ist.

„Gefährlich ist er vor allem, wenn die von ihm angestrebte Rechristianisierung von einflussreichen politischen Kräften unterstützt wird, wie es derzeit in Deutschland der Fall ist.“

 

weitere Beiträge zum Thema „Papast“ in JW 08.09.2012:

Sharia ohne Gnade

Fathiyeh Naghibzadeh: Der Fall Sakineh Ashtiani und die iranische Opposition im (in Jungle World 48/10)

Die weltweiten Proteste haben die Steinigung von Sakineh Mohammadi Ashtiani bisher verhindern können. Die Kampagne der im Iran zum Tode verurteilten Frau bleibt jedoch umstritten.

von Fathiyeh Naghibzadeh

Sharia ohne Gnade weiterlesen

über Gott und die Welt

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