Ein Rabbiner stellt vor dem Brandenburger Tor in Berlin einem Chanukka-Leuchter auf. Bild: AP

Antisemitismus in der EU

Europas Juden denken ans Auswandern:
Die Angst ist zurück

Antisemitische Hetze an einer Gedenkstätte in Berlin Foto: dpa
Antisemitische Hetze an einer Gedenkstätte in Berlin Foto: dpa

Eine Untersuchung der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte (FRA) zeigt, dass sich der Antisemitismus gerade in Deutschland wieder rasch ausbreitet. Ressentiments gegen und Hass auf die Juden nimmt in ganz Europa zu. Spitzenreiter in diesem bedenklichen Ranking ist ausgerechnet Deutschland.

Angst vor Übergriffen

Befragt wurden 16’300 Juden aus 12 europäischen Ländern. Das Ergebnis ist alarmierend: 41 Prozent der befragten Juden in Deutschland gaben an, im vergangenen Jahr belästigt worden zu sein. Das ist der Spitzenwert.
Der europäische Durchschnitt lag bei 28 Prozent. In den vergangenen fünf Jahren lagen die Belästigungen europaweit bei 79 Prozent.

Fast die Hälfte denkt an Auswanderung

Deutschland führt das unrühmliche Ranking auch bei einem weiteren Problem an. 44 Prozent der deutschen Juden haben in den letzten fünf Jahren schon eine Auswanderung in Erwägung gezogen, weil sie sich nicht mehr sicher fühlen. Der europäische Durchschnitt liegt bei 38 Prozent.

( … )

Presse

  • Antisemitismus in der EU auf dem Vormarsch
    Wiener Zeitung 10.12.2018
  • Studie zu Antisemitismus in der EU
    Diskriminierung nimmt deutlich zu
    Fast jeder dritte Befragte wurde Opfer von Belästigung oder Beleidigung. Der Schauplatz von Antisemitismus ist laut der Studie vor allem das Netz.
    taz 10.12.2018

3 Kommentare zu „Antisemitismus in der EU“

  1. Warum wird verschwiegen, dass die Mehrzahl der antisemitischen Übergriffe von Leuten muslimischen Glaubens ausgeht? Ich dachte, hier sei man der Aufklärung verpflichtet, stattdessen wird beschwiegen, was nicht passt…

    1. Hallo Herr Munk,
      Die Untersuchung nennt allgemein Zahlen zur wachsenden Angst von Jüdinnen und Juden vor antisemitischen Übergriffen in Europa und insbesondere auch in Deutschland.
      Im vollständigen Watson-Beitrag wird auf eine hohe Zahl von Tätern mit muslimischen Hintergrund hingewiesen. Hugo Stamm verweist aber auch darauf, dass die deutsche Polizeistatistik die Täter grossmehrheitlich dem rechtsradikalen Spektrum zuordnet. Stamm hat auch eine Idee wie der vermeintliche Widerspruch erklärt werden kann.
      Auch die FRA-Agentur weißt darauf hin, dass die zur Bekämfung notwendigen Daten zu Tathintergünden häufig fehlen. Den Hinweis hatte ich ebenfalls in meinem Blog verlinkt.
      Unterm Strich möchte ich deshalb den Vorwurf des vorsätzlichen Verschweigen deutlich zurückweisen!
      Statt dessen möchte ich Sie, lieber Peer Munk, bitten ihre Behauptung zu belegen. Wissen Sie von einer Studie zum Thema, dann lassen sie uns an ihrem Wissen teil haben und nennen Sie uns eine Quelle.

  2. Menschen wegen ihrer Herkunft, Abstammung oder Religionszugehörigkeit anzugreifen, halte ich für ungerechtfertigt, denn Herkunft, Abstammung oder Religionszugehörigkeit sind kein Fehlverhalten.

    Man kann und darf Religionen und sonstige Weltanschauungen kritisieren, zumal das Befolgen religiöser Vorschriften oder sonstiger ideologischer Anleitungen zu Fehlverhalten führen kann.

    Außerdem liefern so manche Religionen die ideologische Grundlage für patriarchalisch-rechtsreaktionäre despotische Systeme. Das gleiche gilt für einige politische Ideologien und den zugehörigen Schriften.
    Diese Grundlagen wurden in den meisten Fällen jedoch nicht von heute lebenden Menschen geschaffen, die „heiligen“ Bücher nicht erst heute verfasst, sondern vor langer Zeit von anderen.
    Für das, was in den „heiligen“ Büchern geschrieben steht kann man also heute lebende Menschen nicht verantwortlich machen. Dies gilt analog für die Schriften anderer Ideologien.

    Im Fall des Antisemitismus (der eigentlich ein Antijudaismus ist) stellt sich die Frage, für was heute lebende Juden verantwortlich gemacht, warum sie von Antisemiten angegriffen oder in Sippenhaftung genommen werden.

    Eckhardt Kiwitt, Freising

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