ZdE - Zentralrat der Ex-Muslime

Atheistische und nicht­muslimische Flüchtlinge werden auch in Deutschland bedroht

»Zuerst hat er mich als kafir bezeichnet, als Ungläubigen. Dann hat er mir ins Gesicht gesagt: ›Ich schneide dir den Kopf ab, und wenn es das Letzte ist, was ich in Deutschland tue.‹ Das war eine eindeutige Morddrohung«, sagt Amed Sherwan der Jungle World.

»Im Ramadan erhalte ich beinahe täglich Anrufe oder E-Mails von Ex-Muslimen oder Säkularen, die bedroht oder eingeschüchtert werden.« Mina Ahadi, Zentralrat der Ex-Muslime

Amed Sherwan ist immer noch aufgewühlt von dem, was ihm Anfang April in den Räumen der Flüchtlingshilfe Flensburg e. V. widerfuhr. Sherwan spricht die kurdische Sprache Sorani, Arabisch, Englisch und Deutsch und war dort als ehrenamt­licher Übersetzer tätig – ebenso wie der Mittdreißiger aus dem Jemen, der ihn seinen Angaben zufolge bedrohte. »Eine Überwachungskamera hat den Vorfall aufgezeichnet. Man kann sehen, wie er auf mich zugeht und mich schubst«, so Sherwan. Nach dem Zwischenfall sei er durch das Gebäude geirrt, doch niemand habe ihm geholfen. »Für die Leute war das nur ein Spruch. Für mich ist so eine Drohung aber sehr real.«

Für manche Atheisten und Ex-Muslime unter den Flüchtlingen finden die Einschüchterungen und Bedrohungen auch in Deutschland kein Ende. Dies zeigt unter anderem ein Fall aus Flensburg.

Sherwan ist 18 Jahre alt. Er kommt aus Erbil in der Autonomen Region Kurdi­stan im Nordirak. Mit 15 Jahren sagte er seinen Eltern, dass er nicht mehr an Gott glaube. Diese verständigten auf Druck von Verwandten und Nachbarn die Polizei, die ihn von seinem »Irrglauben« abbringen sollte. In der Haft verprügelten ihn Polizisten mit Gürteln, steckten ihn in eine dunkle Isolationszelle und folterten ihn mit Elektroschocks. Wegen seines geringen Alters machte sein Fall Schlagzeilen, Sherwan wurde gegen Zahlung einer Kaution freigelassen. Danach waren allerdings sein Name und sein Gesicht öffentlich bekannt. Er erhielt Morddrohungen, entschloss sich zur Flucht und kam schließlich nach Deutschland. Vor einigen Monaten wurde sein Antrag auf Asyl bewilligt, der offiziell bestätigte Fluchtgrund ist die Verfolgung wegen seiner atheistischen Überzeugung. (…)

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