Pixi-Bundle 8er-Serie 243: Geschichten aus der Bibel

Indoktrination mit Pixibüchern

David und GoliatPixi-Bundle 8er-Serie 243:
Geschichten aus der Bibel
Taschenbuch – ab 1. Februar 2017

Wie bereits die Vorlagen aus der Bibel, vermitteln auch diese Pixi-Bücher vor allem eine Botschaft sehr effektiv: Dass blinder Glaube eine Tugend ist.

Blinder Glaube als Tugend

Würde man überlegen, wie man Kinder von klein auf zu religiösen Fanatikern erziehen kann, so käme man wieder auf Geschichten wie diese.

David und Goliat
Pixi-Buch: David und Goliat

Darüber hinaus ist festzustellen, dass die Geschichten gegenüber den biblischen Vorlagen z.T. geradezu sinnentstellend verändert wurden. So sagt Eva in „Die Erschaffung der Welt“, nach der Aufforderung der Schlange, die Äpfel zu essen: „Wenn sonst nichts passiert, können wir die Äpfel auch probieren.“ In der biblischen Vorlage hatte Gott als Strafe dafür bereits den Tod angedroht. Im Pixi-Buch belässt Gott es bei „Ihr könnt alle Früchte des Gartens essen, nur die von diesem Apfelbaum nicht.“ Gleich darauf heißt es – eben ganz nach dem Motto „Blinder Glaube als Tugend“: „Adam und Eva hielten sich daran, obwohl sie es nicht verstanden.“

Pixi-Bundle 8er-Serie 243: Geschichten aus der Bibel
Pixi-Bundle 8er-Serie 243: Geschichten aus der Bibel

Besonders krass ist allerdings die Vergewaltigung der biblischen Vorlage am Schluss. In der Bibel verfällt Gott bekanntlich in eine zornige Tirade, wo es u.a. heißt:

Und zur Frau sprach er: Ich will dir viel Mühsal schaffen, wenn du schwanger wirst; unter Mühen sollst du Kinder gebären. … Und zum Mann sprach er: Weil du gehorcht hast der Stimme deiner Frau und gegessen von dem Baum, von dem ich dir gebot und sprach: Du sollst nicht davon essen –, verflucht sei der Acker um deinetwillen! Mit Mühsal sollst du dich von ihm nähren dein Leben lang. Dornen und Disteln soll er dir tragen, und du sollst das Kraut auf dem Felde essen. Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis du wieder zu Erde wirst, davon du genommen bist. … Da wies ihn Gott der HERR aus dem Garten Eden, dass er die Erde bebaute, von der er genommen war. Und er trieb den Menschen hinaus und ließ lagern vor dem Garten Eden die Cherubim mit dem flammenden, blitzenden Schwert, zu bewachen den Weg zu dem Baum des Lebens.

Im Pixi-Buch heißt es:

„Wie schade!“, sagte Gott traurig. „Jetzt müsste ihr fort von hier und anderswo leben. Aber auch dort werde ich immer bei euch sein, denn ich habe euch sehr lieb.“

Auch hier wird die Botschaft vermittelt: Gott kann machen, was er will. Eine Begründung ist nicht notwendig.

Die Macher dieser Bücher sollten sich fragen: Wenn man die Originalgeschichten schon so verfremden muss, um sie kindgerecht zu bekommen – sind sie es dann überhaupt wert, Kindern erzählt zu werden? Nach dem Muster dieser Pixi-Bücher ließe sich auch ein kindgerechtes Buch „Adolf und die Juden“ produzieren – aus der Sicht von Adolf. Ich halte es für höchst problematisch, wenn ethisch anstößige Geschichten wie diese für Kinder weichgespült werden, weil diese, so vorgeprägt, dann später kaum noch die ethische Problematik erkennen können.

Mit diesen Geschichten wird den Kindern die Grundlage für eine völlig pervertierte Ethik gelegt. In „Die Arche Noah“ verübt Gott bekanntlich einen weltweiten Genozid an Mensch und Tier. Noahs Kommentar, nachdem alles vorüber ist: „Danke!“ rief er Gott zu. „Danke für alles, was du für uns getan hast!“ Ein solcher Kommentar angesichts eines Genozids verbietet sich aus heutiger Sicht. Selbst im biblischen Original ist dies nicht zu finden – hierdurch wird die „Moral“ des Pixi-Buchs gegenüber der Bibel noch verschlimmert: In der Bibel führt Noah nur Gottes Befehle aus, hier bedankt er sich noch.

Angesichts der gegenwärtigen Versuche, Jugendliche von religiöser Fanatisierung abzuhalten, war die Veröffentlichung dieser Pixi-Bücher ein Schritt in die falsche Richtung. (Der „Islamische Staat“ (IS) wirbt übrigens aktiv um Christen – mit EXAKT dem Gottesbild, das in diesen Geschichten vermittelt wird.)

3 Sterne gibt es einzig deshalb, weil der Käufer hier vermutlich genau das kriegt, was er erwartet. Wer seine Kinder in 15 Jahren zum IS nach Syrien reisen sehen will, sollte nicht zögern, diese Bücher zu kaufen.

Das Problem, dass Religion blinden Glauben als Tugend vermittelt, kritisiert Richard Dawkins in seinem Buch Der Gotteswahn. Ihm wird zwar regelmäßig entgegengehalten, dass blinder Glaube heute nicht mehr als Tugend vermittelt wird. Aber diese Geschichten – im Grunde der ganz überwiegende Teil der Bibel – transportieren genau diese Botschaft, und zwar sehr effektiv, wie die Geschichte der abrahamitischen Religionen zeigt.

Dass das Alte Testament, aus dem 6 dieser 8 Pixi-Geschichten stammen, von religiösen Fanatikern produziert wurde, zeigt Heinz-Werner Kubitza in seinem Buch „Der Glaubenswahn“ (noch nicht verlinkbar).

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