Hauptbahnhof Koeln - Empfangshalle bei Nacht

Mob und Gegenmob

sascha loboKolumne von Sascha Lobo am 6.1.2016 auf Spiegel Online zur Debatte anlässlich der Silvesternacht am Kölner Hauptbahnhof.

(…)

Es ist nicht so einfach, wie viele Leute es gern hätten

Wie die Angriffe von Köln in den sozialen Medien wahrgenommen, diskutiert und verarbeitet werden, wäre ein Dutzend katastrophensoziologische Studien wert, aber am Anfang stehen die Geschehnisse in Köln selbst.

Was dort genau geschehen ist, lässt sich – zumindest noch – nicht so einfach sagen, wie viele Leute es gern hätten, weil es ihnen in diesen oder jenen politischen Kram passt. Wertet man die bisherigen Erkenntnisse aus, Videos vom Geschehen, Medien- und Polizeiberichte, Zeugenaussagen, und hält man die sinnvolle, vorsichtige Distanz dazu ein, bekommt man folgendes Bild:

  • Eine Gruppe von rund tausend, teilweise stark alkoholisierten Personen verstand unter Feiern offenbar, sich mit Böllern zu bewerfen oder bewerfen zu lassen. Das ist zweifellos bekloppt, aber in der massenalkoholisierten Sprengstoffnacht zum Jahresabschluss eine akzeptierte Absurdität dieses Landes.
  • Aus diesen Leuten heraus sind immer wieder Mobs von bis zu 40 Männern offenbar einem Plan gefolgt: Frauen überfallen, sowohl in räuberischer wie in sexuell gewalttätiger Absicht. Die Polizei spricht von „organisierter Kriminalität“ und verstörenderweise von „polizeibekannten Intensivtätern“.
  • Gleichzeitig aber schien sich am Kölner Hauptbahnhof (und auch anderswo) über diese Banden hinaus eine aggressive Stimmung aufgebaut haben – und zwar eine sexistische und übergriffige gegen Frauen.

(…)

ja, es gibt ein problematisches Frauenbild in islamisch geprägten Kulturkreisen. Und ja, man muss untersuchen, wie dieses Frauenbild auch in Deutschland in Gewalt mündet. Erst recht, wenn Mobs entstehen, die damit im Zusammenhang stehen könnten (Achtung, Möglichkeitsform).

Es ist auch legitim und notwendig, die kulturelle Prägung der Tätergruppen in die Untersuchung miteinzubeziehen, alles andere wäre kontraproduktive Augenwischerei, denn Mobs bestehen aus der explosiven Verstärkung bereits vorhandener sozialer Strömungen. Das ist der Grund, weshalb deutsche Mobs ausländisch aussehende Menschen jagen, ein soziokulturell vorhandener Rassismus detoniert. Für einen soziokulturell vorhandenen Sexismus ist das ebenso vorstellbar.

Welle rassistischer Empörung ist losgebrochen 

(…)

–> vollständiger Beitrag von Sascha Lobo auf Spiegel Online (6.1.2016 )

 

— > weitere Beiträge zum Thema „Köln“ (Nachdenkseiten 6.1.2016)

 

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