ARTE Tracks 10.05.13 – Glauben-Special

Leo Bassi
Leo Bassi
  • LEO BASSI – Das freche Entlein;
  • DAEVID ALLEN – Wenn der Gong ertönt;
  • PENTAGRAM – Im Auftrag des Teufels;
  • FEMEN – Dies ist mein Leib.

(1): Leo Bassi: Das freche Entlein Der Italiener Leo Bassi ist Clown seit vier Generationen, mit der Zirkusdynastie Bouglione verwandt, emeritierter Fußjongleur, Hypnotiseur, Provokateur und Spezialist für Knalleffekte. 2006 wäre er selbst fast zum Opfer eines solchen geworden. Unmittelbar vor einer Vorstellung seines Programms „Die Offenbarung“, das die drei monotheistischen Religionen durch den Kakao zieht, stolperte Bassi vor seiner Künstlerloge in einem spanischen Theater über ein seltsames Paket. Sprengmeister wurden hinzugerufen. Ihr Urteil war unmissverständlich: Hier handelte es sich um eine tödliche Bombe. Offensichtlich hatten einige spanische Ultrakatholiken Bassis Possenspiele sehr ernst genommen. Doch Leo machte sich nicht ins Hemd, sondern zog lieber Sutane und Bischofsmütze an! Als selbst erklärter Geistlicher traute er eine Lesbe und ihre Hündin, segnete seine Schäflein mit Rasierschaum und kandidierte vor einem Monat als Papst bei der Konkurrenz: der katholischen Kirche. (2): Daevid Allen: Wenn der Gong ertönt Der Schein trügt: Der australische Hippie-Opa Daevid Allen (manchmal auch „divided alien“) ist tatsächlich einer der kreativsten Künstler der 70er Jahre und war an zahlreichen Musikformationen beteiligt, darunter Soft Machine und The University of Errors. 1969 blieb er nach einer Frankreichtournee aufgrund eines abgelaufenen Visums im Land und schuf dort sein Lebenswerk „Gong“. Gong ist mehr als eine Band, sondern ein ganzer Kosmos mit eigener Mythologie, wandelbarer Besetzung und mit sich dem Zeitgeschmack fügender musikalischer Ausrichtung. So sind die haarigen Avantgardisten etwa Begründer des Ambient Techno, einer Mischung aus Chillrock und Jazz. Daevid Allen, seines Zeichens Songwriter, Dichter, Performer und Maler und heute 74 Jahre alt, hat nichts von seinem künstlerischen Elan eingebüßt. Er ist stets offen für exzentrische musikalische Experimente und Albernheiten jeder Art. Der magnetische Guru der Gong-Community lebt in seiner psychedelischen Welt, zieht immer noch gerne Riesenhüte auf und gibt nach wie vor Konzerte. (3): Pentagram: Im Auftrag des Teufels Der amerikanische Sänger Bobby Liebling gilt als Pionier und (über)lebende Legende des Doom Metal. In Tracks erhebt sich der Mann, der einen Pakt mit dem Teufel schloss, wie Phönix aus der Asche. Obwohl er in den 1970er Jahren mit seiner Band Pentagram mächtig zugange war, glitt Bobby immer wieder auf die dunkle Seite der Macht ab und wäre dabei fast draufgegangen. Mit 60 Jahren hat der charismatische Leadsänger von Pentagram den Exzessen, die seine Karriere zerstörten, den Rücken gekehrt und steht wieder auf der Bühne. (4): Femen: Dies ist mein Leib Die Aktivistinnen der internationalen Frauengruppe Femen machten am 17. August 2012 wieder von sich reden: Barbusig bearbeiteten Inna Schvechenko und ihre Mitstreiterinnen in Kiew ein acht Meter hohes Holzkreuz so lange mit der Motorsäge, bis es umstürzte. Danach gingen sie ins Exil nach Paris, denn in der Ukraine (dem Gründungsland der 2008 ins Leben gerufenen feministischen Bewegung) wird jetzt wegen Blasphemie nach ihnen gefahndet. Zu ihren erklärten Kampfzielen gehört neben der Diktatur und der Sexindustrie auch das Patriarchat. Oft müssen Inna, Sascha, Oksana, Margerit, Julia und ihre Freundinnen aus Ägypten, Tunesien, Brasilien und Russland mit scharfen Repressalien für ihre Topless-Aktionen rechnen, die ihnen allerdings auch eine große Medienpräsenz und Bekanntheit einbringen.

Leo Bassi
Leo Bassi

Leo Bassi

Eine ARTE-reportage von Jorge Amat

Leo Bassi ist davon nicht überzeugt und gründet selbst eine Religion. Der geistige Erbe von Takeshi Kitano und den Aktivisten von Yes Men, erschafft die „patolische Kirche“, die nur einem Gott huldigt: der gelben Quietscheente. Unter Spaniens Gläubigen sorgt Leo Bassi damit für aufgeheizte Stimmung. Als Clown in vierter Generation, Hypnotiseur und Spezialist für Antipodenjonglage feiert er in diesem Tracks-Glaubens-Special eine Messe der provokanten Art!

Mit seiner Show „La Revelacion“ – Offenbarung – treibt Leo Bassi die Blasphemie auf die Spitze und machte den drei monotheistischen Religionen die Hölle heiß.Leo Bassi
Das zentrale Element ist unser Gott, die Quietscheente. Das ist die aus meiner Badewanne, es ist mir sehr wichtig, das zu betonen. Diese Kapelle ist also nicht der Gesamtheit aller Enten gewidmet, sondern nur den Badewannen-Quietscheenten. Ich wollte einen anderen Gott, ein neues Religionssystem erfinden.Schon Jahre bevor sie zum Gott der patolischen Kirche avanciert, hat Leo Bassi ein Faible für die gelbe Ente. Damals nimmt er seinen aufblasbaren Ruderfüßer mit nach Rio oder Madrid, um die „Empörten“ zu unterstützen. Ein aufblasbares Bollwerk gegen die Attacken der Ordnungskräfte.Mit seinem Bassibus nimmt Leo Passagiere mit auf Entdeckungsreise durch die Skandalgeschichten und irrwitzigen Immobilienspekulationen von Madrid. Der ernste Clown wird bereits elf Mal wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses verhaftet, auch dank seiner Shows, die mal den Terrorismus, mal die Kirche und mal die Konsumgesellschaft anklagen.Mit seinen Missionen überschreitet Papst Bassi die Befugnisse des Patikans um Längen – doch das stört ihn nicht weiter.

Biografie

1952 erblickt Leo Bassis rote Nase in New York das Licht der Welt. In der sechsten exzentrischen Artistengeneration hat Leo natürlich auch das Zirkus-Gen geerbt! Vor 130 Jahren gründet ein Vorfahr von Leo Bassi den ersten toskanischen Zirkus in Italien. Seither hat der Familienclan alle fünf Kontinente bereist.

Als er sieben Jahre alt ist, fliegt die Karawane der Bassis nach Australien, und Leo spielt seine erste Rolle als Assistent des Genies Aladin. Leo lernt von seinen Eltern die Antipodenjonglage – die Kunst, alles auf den Füßen zu balancieren. In den USA flirtet Leo Bassi Senior mit den großen Stars und wird zur Attraktion des New Yorker Hollywood Palace zusammen mit Laurel und Hardy und dem philosophischen Komiker und Schauspieler Groucho Marx.

Bild: Marjory Dejardin

Freitag 10. Mai 2013 um 01.00 Uhr
Keine Wiederholungen
(Frankreich, 2013, 54mn)
ARTE F

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